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Allgemeine Sicherheitshinweise  


08.12.06
Gleitschirmfliegen kontra Regentropfen                                  
Sackfluganfälligkeit von Gleitschirmen bei Regen

In letzter Zeit wurde in diversen Foren mehr oder weniger sachlich über einen Unfall mit einem Mistral 4.24 im Juli in der Schweiz diskutiert, bei dem sich die Pilotin zu unserem Bedauern verletzt hat. Dieser Unfall resultierte, laut Pilotenangabe, aus einem dauerhaften sackflugähnlichem Flugzustand nach Durchfliegen eines Regenschauers. Wir haben uns aus den anschließenden Foren-Diskussionen herausgehalten, da diese, mit Ausnahme der Beschreibung des Unfallhergangs, lediglich spekulativ und zum großen Teil irreführend waren. Eine seriöse Analyse der Unfallursache, dem sackflugähnlichem Flugzustand, ist nur mit umfangreicher Grundlagenforschung möglich, die leider Zeit braucht und noch nicht abgeschlossen ist.

Hier der aktuelle Stand der Untersuchungen:

Eines schon mal vorweg:
Der Mistral 4 hat kein konstruktiv bedingtes Sackflugproblem!

  • Unsere Testpiloten haben den Mistral 4 sogar unterhalb des vom DHV angegebenen Startgewichtsbereichs geflogen, und es konnte keinerlei Sackfluganfälligkeit festgestellt werden.
  • Unsere Testpiloten haben mit dem Mistral 4 Flüge im Regen durchgeführt. Bei keinem dieser Flüge zeigte dieser Schirm ein abnormales Flugverhalten oder war in keinem sackflugähnlichen Flugzustand zu bringen.
  • Mike Küng vom DHV hat bekanntermaßen ebenfalls Flüge im Regen durchgeführt – mit demselben Ergebnis. Im Gegenteil, er war vom überdurchschnittlich guten Flugverhalten des Mistral 4 unter diesen Bedingungen positiv überrascht.
  • Nach bekannt werden des Unfalls gingen bei SWING E-Mails von Piloten ein, die ebenfalls in einen Regenschauer geraten sind und keine Auffälligkeiten feststellen konnten.
  • Bei einem weiteren in den Foren diskutierten Fall lag der Grund, für den durch einen Regenschauer ausgelösten Sackflug, eindeutig in den vom Piloten deutlich zu kurz eingestellten Bremsleinen. (Quelle: DHV-Technik)

Die Frage ist also nicht, ob der Mistral 4 gefährlich ist, sondern die Frage ist:

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, mit einem Gleitschirm bei Regen in einen sackflugähnlichen Flugzustand zu kommen? Und welche Art von Regen ist hierbei als besonders kritisch zu betrachten?

  • Dem DHV wurden über die letzten Jahre ca. 15 Unfallmeldungen und Situationsbeschreibungen von Piloten mit sackflugähnlichen Zuständen bei schwachem oder einsetzendem Regen mit unterschiedlichen Geräten und Marken gemeldet. (Quelle: DHV Sicherheit)
  • DHV Testpiloten berichten ebenfalls über mehrere Fälle (ebenfalls markenübergreifend), bei denen sie bei einsetzendem Regen in sackflugähnliche Zustände geraten sind, oder bei denen sich die Sackflugtendenz dabei deutlich erhöht hat. (Quelle: DHV Technik)
  • Wir präparierten einen Schirm mit einer Gieskanne, wobei wir versuchten, so viele größtmögliche Tröpfchen auf dem Obersegel zu erzeugen wie möglich. Dieser Schirm lies sich in diesem Zustand nicht mehr ordentlich starten!
  • Durch Computersimulationen der Fa. Aerolabs (Dr. Stefan Müller) konnte errechnet und simuliert werden, dass bei einer ca. 20%igen Erhöhung der Reibungswiderstände, ein Gleitschirm nicht mehr sicher fliegt. Wie eine 20%ige Erhöhung des Reibungswiderstandes durch Tropfenbildung in der Praxis ausschaut, lässt sich erst durch umfangreiche Untersuchungen feststellen.
  • Es haben sich Fluglehrer und Piloten bei SWING gemeldet, die von ähnlichen Erfahrungen mit Gleitschirmen anderer Hersteller berichtet haben.

SWING ist stark daran interessiert, diesem Phänomen weiter auf die Spur zu kommen, um das Gleitschirmfliegen für alle Piloten noch sicherer zu machen. Aus diesem Grund wurden in Rücksprache mit dem DHV folgende Maßnahmen ergriffen:

  • Es wurde in Abstimmung mit dem DHV eine Diplomarbeit mit verschiedensten Testreihen ausgeschrieben, die dieses Phänomen untersuchen soll. Wir gehen davon aus, dass uns bis zum nächsten Frühjahr aussagekräftige Ergebnisse vorliegen werden.
  • Dazu wurden mehrere Schirme mit unterschiedlich behandelten  Obersegelmaterialen gebaut, die nun auf unterschiedliches Flugverhalten bei schwachem und auch bei starkem Regen untersucht werden.

Fazit: Eine bestimmte Menge Regentropfen einer bestimmten Form oder Größe können den erfliegbaren Geschwindigkeitsbereich stark einschränken. Schon geringe Anstellwinkeländerungen oder minimaler Bremseinsatz können in so einem Fall zu einem Strömungsabriss führen. Dieses Phänomen ist nicht neu und die Faktoren wie Regenmenge, Größe, Verteilung, Lufttemperatur, Luftdichte sind so komplex, dass sie nicht ohne immensen Aufwand reproduzierbar und somit testbar sind.

Kein Gleitschirmhersteller kann zum jetzigen Zeitpunkt für seine Produkte ein 100%iges Funktionieren bei jeder Art von Regen garantieren! Aus diesem Grund ist beim Fliegen im Regen IMMER höchste Vorsicht geboten und darum sind die Hersteller auch gezwungen, das Fliegen bei Regen in der Betriebsanleitung aus haftungstechnischen Gründen auszuschließen.

Wie soll man bei einem Flug im Regen vorgehen?
Sollte das Fliegen durch einen Regenschauer oder unter einer sich abregnenden Wolke unvermeidbar sein, gehe bitte folgendermaßen vor:
1) Generell beschleunigt fliegen (30% bis 100% je nach Situation) und nach Notwendigkeit bis kurz vor der Landung.
2) Generell so wenig wie möglich bremsen (einen kleinen Kurvenradius vermeiden), Dies gilt vor allen  Dingen für den Landeanflug bis kurz vor der Landung.
3) Kurven am besten nur durch Körperverlagerung einleiten/umsetzen.
4) Keine Ohren anlegen!

Swing GmbH


Öffentliche Diskussionen und Wahrheit

SWING wurde in letzter Zeit oft die Frage gestellt, warum wir uns nicht sofort an den Diskussionen in den Internetforen beteiligt haben. Hierzu seien uns einige Anmerkungen in eigener Sache erlaubt:

Foren-Diskussionen

Als einer der wenigen Hersteller betreibt und unterstützt SWING schon lange Grundlagenuntersuchungen im Bereich des Gleitschirmfliegens, die über die reine Entwicklung neuer Modelle deutlich hinausgeht. Hierzu gehören aerodynamische Untersuchungen ebenso wie Materialuntersuchungen.
Wir haben uns bewusst an den geführten Foren-Diskussionen nicht beteiligt, da viele oft spekulativ waren und auch noch sind. Die teilweise als spärlich empfundenen Informationen, von SWING zu diesem Thema, liegen darin begründet, dass wir daran interessiert sind, fundierte Aussagen zu machen und nicht nur weitere Spekulationen zu verbreiten. Fundierte Aussagen sind aber nur mit umfangreichen Untersuchungen möglich, die leider entsprechend Zeit in Anspruch nehmen. Mit diesen Untersuchungen haben wir sofort nach bekannt werden des Unfalls im Juli begonnen. Erkenntnisse, die uns vorlagen, haben wir veröffentlicht, neue Erkenntnisse werden wir umgehend veröffentlichen.
SWING wird auch in Zukunft seine Piloten nicht über Medien informieren (oder sich auf diese Weise rechtfertigen), in denen jeder einfach Behauptungen unter dem Deckmäntelchen der Anonymität aufstellen kann.
Dass die Internetforen von diversen Interessengruppen auch mal gezielt als Marketing-instrument genutzt wird ist ein offenes Geheimnis.
Einige Einträge mit geschäftsschädigender Absicht waren so offensichtlich, dass sie von den Forumsbetreibern gelöscht werden mussten.
Die Firma SWING distanziert sich ganz deutlich von dieser Praxis.

Berichterstattung in Magazinen

Wir sind über die boulevardpressenartige Berichterstattung im Fly and Glide enttäuscht.
Überrascht sind wir auch über die schlechten Recherchen und die unvollständige Darstellung der Fakten in diesem Magazin.
Seriöse Berichterstattung sieht anders aus, wie uns das Bespiel des Magazins „Gleitschirm“ zeigt.

Der Mistral 4 ist ein für seine Klasse sehr leistungsstarker Schirm mit einem ansprechenden Handling und sicherem Extremflugverhalten. Unsere Piloten sind von ihrem Flügel begeistert, genauso wie die Mitarbeiter der Firma SWING.

Wir wünschen allen Piloten schöne Flüge und weiterhin viel Spaß am Fliegen!

Swing GmbH

16.08.06
Gleitschirmfliegen bei Regen?!



Ergebnisse der Untersuchung von SWING

Bei normalen Flugbedingungen im Rahmen der Betriebserlaubnis sind keinerlei Sackflugtendenzen bei den aktuellen Modellen der SWING Produktpalette erkennbar.

Ausgelöst durch einen Unfall hat SWING mit Unterstützung des DHV und Dr. Stefan Müller umfangreiche Versuchsreihen und Simulationen durchgeführt um diese Problematik des Bahnsackfluges bei Regen enger einzugrenzen.

Generell gibt es zwei unterschiedliche Gründe warum ein Gleitschirm bei Regen in den Sackflug gehen kann:


1. Die eine Gefahr besteht darin, dass sich bei längerem Fliegen im Regen das Kappengewicht erhöht und sich dadurch der Schwerpunkt sowie der Anstellwinkel verschiebt, weshalb es in der Folge zum Strömungsabriss kommen kann. Hierbei ist zu sagen, je mehr Wasser ein Schirm aufnimmt (ältere Schirme tun das mehr, da sie über die Zeit die wasserabweisende Beschichtung verlieren) und je näher sich ein Schirm konstruktions- und alterungsbedingt an der Sackfluggrenze befindet, umso weniger Wasseraufnahme und somit auch Gewichtsveränderung ist nötig um den Schirm in den Sackflug zu bringen.


2. Es kann passieren, dass bei einsetzendem Regen auf dem Obersegel eines Gleitschirmes genau so viele Wassertropfen haften bleiben, dass fast die ganze Oberfläche des Schirmes davon betroffen ist aber dennoch keine geschlossene Wasserfläche vorliegt. Dabei wird die Oberfläche durch die Tropfenbildung so rau, dass sich die Strömung ablöst. Dieses Phänomen ist schon seit langem auch aus der Drachen- und Segelfliegerei bekannt. Je neuer ein Schirm ist (die Tropfen werden bei neueren Schirmen weniger schnell vom Tuch aufgesaugt), je mehr Tropfen auf dem Obersegel haften und je größer diese Tropfen sind, umso größer ist die Gefahr dass es dabei zum Strömungsabriss kommen kann. Diese Vermutungen konnten wir auch durch Praxisversuche und Computersimulationen rekonstruieren. Diese Art des Sackfluges konnte in der Vergangenheit immer mal wieder unabhängig von Schirmtyp, Material und Hersteller beobachtet werden. Da das Phänomen zwar äußerst selten ist aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, versuchen wir nun durch umfangreiche Grundlagenforschung die genaue Ursache für die Tröpfchenbildung auf dem Obersegel zu ergründen. Gleichzeitig suchen wir nach technischen Lösungen, wie z.B. Oberflächenbehandlung des Tuches, um das Sackflugrisiko bei Regen zu minimieren.


Für beide Fälle gilt, dass sich erst die Steuer- und Bremswege deutlich verkürzen und dann der Sackflugzustand, meist durch eine Brems- oder Anstellwinkeländerung, z.B. von einer Böe oder einer Thermikablösung, ausgelöst wird.


Wenn neuere Kenntnisse vorliegen werden wir diese umgehend mitteilen.


SWING Flugsportgeräte GmbH

Günther Wörl

Geschäftsführer


Gab es auch schon früher:
http://www.dhv.de/typo/Fliegen_wenn_s_regne.1784.0.html

Hinterlegte Dateien:
Mehr Infos dazu hier: http://www.dhv.de/typo/index.php?id=498&backPID=2&tt_news=1390